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Zeittafel Grenzgeschichte

Geschichtliches zum Grenzübergang
Eisfeld - Rottenbach

 

 

05.06.1945

 

 

Nach der an diesem Tag veröffentlichten „Feststellung seitens der Regierungen des Vereinigten Königreiches England, der Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der sozialistische Sowjetrepubliken sowie der Regierung der Französischen Republik über die Besatzungszonen wird Deutschland innerhalb der Grenzen, wie sie am 31.12. 1937 bestanden, für Besatzungszwecke in vier Zonen aufgeteilt ....“ .

 

Quellen: SCHÄTZLEIN, GERHARD; RÖSCH, BÄRBEL; ALBERT; REINHOLD (1999):. Grenzerfahrungen Band I Bayern/Thüringen 1945 bis 1971. Verlag Frankenschwelle HBN 1999

 

 

 

03.07.1945

 

 

Die Amerikaner verlassen die Stadt und ziehen sich auf die bayerische Grenze zurück, die nun die Grenze der amerikanischen Besatzungszone ist.

Die Übergabe der Stadt durch die Amerikaner an die Russen erfolgt nach Angaben eines Zeitzeugen kurz vor 22.00 Uhr. Danach fahren zunächst drei sturmgeschützartige, gepanzerte Kettenfahrzeuge der Roten Armee von der Georgstraße her bis zum Beginn der Coburger Straße, wenden dann aber und bleiben vor dem Verwaltungsgebäude der Bruhn-Werke stehen. Einige sowjetische Soldaten, der ranghöchste ist ein Korporal, springen von den Fahrzeugen und gehen auf die in der Nähe des Seiteneinganges des Schaumberger Hofs stehenden amerikanischen Offiziere zu. Die Übergabe erfolgt nach einem kurzen Zigarettenaustausch wohl recht formlos und die Amerikaner fahren mit einem Panzerspähwagen, in dem sich auch ein Eisfelder „Fräulein“ befindet, in Richtung Sonneberg davon. Die amerikanischen Offiziere hatten als Nachhut in der Stadt auf die Russen gewartet.

Die Befreiung Thüringens durch die Amerikaner wird nach der Übergabe der Besatzung an die Rote Armee aus politischen Gründen weitgehend aus dem öffentlichen Bewußtsein verdrängt werden. Ehrungen und Gedenkveranstaltungen für die Amerikaner wird es während der DDR-Zeit nicht geben. Die offizielle Nachkriegsgeschichte beginnt mit dem Juli 1945.

 

Quellen: StAE Akte 10065; MATSCHULAN  gibt Ende Juni an (S. 4);

Brief von Prof. Dr. Mierau/ Würzburg an Ortschronist Eisfeld vom 18.03.2012 (Zeitzeuge); Freies Wort  vom 01.07.2015

 

01.02. 1946

 

 

In Eisfeld wird der Drogist Robert Mauchert aus Aschaffenburg begraben (geb. 21.10.1912 in Aschaffenburg). Er war in der Nacht vom 14. zum 15. Januar  im Grenzwald nahe Rottenbach erschossen worden, als er zusammen mit Hans-Dieter Mierau die Grenze überschreiten wollte.

Quellen: PfAE Sterberegister 1932/52 S. 199, Sterbeurkunde; Angaben von Prof. Dr. Mierau, Würzburg; Stadtverwaltung Eisfeld Bestattungsbuch

 

 

08.03.1946

 

 

Am Abend kommt es zwischen bayerischen Grenzpolizisten des Grenzpostens Rottenbach und in Rottenbach eingedrungenen Sowjetsoldaten zu einem Feuergefecht. Ein US-Überfallkommando beendet den Vorfall. Die bayerischen Landesgrenzpolizei hatte erst am 01.03.1946 die Überwachung der Grenze zur SBZ übernommen.

 

Quellen: SCHÄTZLEIN, GERHARD; RÖSCH, BÄRBEL; ALBERT; REINHOLD. Grenzerfahrungen Band I Bayern/Thüringen 1945 bis 1971. Verlag Frankenschwelle HBN 1999

 

 

 

Winter 1947/48 

 

Streckenrückbau der Werra-Bahn zwischen dem Bahnhof Eisfeld und der Zonengrenze (Hans Löhner nennt als Zeitpunkt das Jahr 1950, später 1947 bis 1950).

Die Strecke der Werra-Bahn Eisenach – Eisfeld ist damit auf 108,3 km reduziert.

 

Quellen: Dr. THIELMANN, GEORG (2002): Die Werrabahn. Wachsenburg-Verlag Arnstadt 2002S. 28;  FW v. 22.06.2005 (Löhner); FW v. 25.10.2008  (Löhner)

 

 

20.06.1948

 

 

 

 

23.06.1948

 

Währungsreform in den Westzonen, jede Person erhält ein „Kopfgeld“ von 40.- DM. Reichsmark-Guthaben werden 1:100 umgetauscht. Wegen der Währungsreform werden an den Grenzen der Sowjetischen Besatzungszone die Absperrmaßnahmen verstärkt, weil die in den Westzonen ungültig gewordene Währung in der SBZ noch gültiges Zahlungsmittel ist.

Währungsreform in der SBZ, Geldabwertung im Verhältnis 1 : 10

 

Quellen: GRENZ-ERF  I  S. 48 und 140; WEBER, HERMANN(1966): Von der SBZ zur DDR. Band 1 1945 – 1955, Hannover 1966, S.140

 

 

26.05.1952

 

Die „Polizeiverordnung über die Einführung einer besonderen Ordnung an der Demarkationslinie“ fixiert die Verstärkung der Kontrollen. Entlang der Demarkationslinie wird ein 10 Meter breiter Kontrollstreifen angelegt und ein ca. 500 Meter breiter Schutzstreifen sowie eine 5 km breite Sperrzone eingerichtet. Entlang der Grenze wird ein 1,2 m hoher Stacheldrahtzaun errichtet. Die Grenzposten werden erstmals angewiesen, nach Anruf auf Grenzverletzer zu schießen.

Heid liegt nun im Schutzstreifen, Eisfeld mit seinen 5944 Einwohnern in der Sperrzone.

 

 

01.12.1955

 

 

Die Sowjetische Kontrollkommission (Nachfolgeorgan der SMAD) übergibt der deutschen Grenzpolizei offiziell die „Sicherung der Grenzen gegen die BRD und gegen West-Berlin“. Sowjetische Beratungsoffiziere verbleiben aber noch bis 1958 in den Grenzeinheiten.

 

 

16.11.1956

 

 

Einführung der amtlichen Bezeichnung „Staatsgrenze West“ in der DDR, jedes Verlassen der DDR ohne Genehmigung gilt als Republik flucht.

 

26.05.1961

Ein Melker an der VEG Amalienruhe aus Eisfeld soll fristlos entlassen werden. Deshalb flieht er am 26.05.61 bei Henneberg über die Grenze.

 

13.08.1961

 

 

Mit dem Bau der Berliner Mauer ist die innerdeutsche Grenze komplett gesperrt. An der gesamten Grenze, an der der Landkreis HBN einen Anteil von etwa 110 km hat, werden die „Sicherheitsmaßnahmen“ verstärkt

 

 

 

30.10.1961

Der 15jährige Harald Haine aus Eisfeld, der im Internat Haubinda untergebracht ist, plant gemeinsam mit seiner Freundin, die DDR zu verlassen. Er hatte mit ihr abgesprochen, dass sie am 30. mit dem Zug nach Themar kommen sollte. Er würde zu steigen und beide wollten bis Veilsdorf fahren, dort aussteigen, zu Fuß nach Harras und dort über die Grenze. Der Junge plauderte seinen Plan vier Kameraden aus dem Internat aus. Die zeigten ihn an. Er wurde festgenommen und erhielt als Strafe 1 Jahr Freiheitsentzug bedingt, auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

 

30.04.1962

Am 30.4.62 werden zwei 16jährige Jugendliche aus Eisfeld bei Herbartswind etwa 100m vor der Staatsgrenze festgenommen. Weil sie mit den Verhältnissen in der DDR nicht einverstanden waren, wollten sie in den Westen. Für die Staatssicherheit war wichtig, dass H den N auf dem Weg zur Grenze nach einer Pistole fragte, obzwar N den Besitz verneinte.

 

27.09.1962

Dieter K.,  20, und seine Ehefrau Heidrun, 18, beide bei der Fa. Schmidt in Merbelsrod beschäftigt, in Eisfeld wohnhaft, fahren bei Harras am 27.9.62 mit dem Auto an einer Stelle, an der noch keine Spuren sind, illegal über die Grenze. Die Grenzsoldaten sahen das Auto, können aber nicht sofort schießen, weil auf einem Feld nahe der Grenze Leute arbeiten. Später abgegebene Schüsse treffen nicht mehr.

 

07.10.1962

P., 25, und H., 21, aus Eisfeld hatten sich am 7.10.62 zufällig beim Pilze sammeln getroffen und sich entschlossen, gemeinsam in den Westen zu gehen. Auf dem Weg dorthin wurden sie gestellt.

Die Frau des P gab allerdings an, ihr Mann habe nach einem Wortwechsel damit gedroht, in den Westen zu gehen. P war bereits einmal im Westen gewesen und wieder zurückgekehrt.

 

28.10.1962

Durch einen Hinweis wurde bekannt, dass R., und B., beide 16 Jahre alt, aus Christes, und der 15jährige U., aus Suhl, illegal in die BRD wollen. Mit dem Zug wollten sie nach Eisfeld fahren. Doch bei Schleusingen wurden sie herausgeholt. Die drei hatten gehört, daß ein gewisser H es geschafft habe, erfolgreich hinüberzukommen. Sie versprachen sich in Westdeutschland ein besseres Leben.

 

 

08.07.1965

 

Zwei 16jährige aus Eisfeld verlassen die DDR bei Görsdorf, wo der erste bereits 1964 geflohen war. Der Zweite kehrt am 1.3.67 in die DDR zurück.

 

30.01.1967

Vier Männer aus Waffenrod überwinden am 30.1.67 bei Eisfeld die Sperranlagen unter Verwendung einer Kombizange. Drei von ihnen, K., B. und V.  kehren am 20.3.67 in die DDR zurück. V. wird am 1.2.68 mit 2 Jahren und 8 Monaten Zuchthaus, die anderen mit 2 Jahren 4 Monaten Gefängnis bestraft. Anstifter war offenbar ein 18jähriger Rückkehrer, Polierlehrling im VEB Möbelwerke Themar, mehrmals vorbestraft. Er und B., ein 19jähriger, in Hildburghausen beschäftigter Schriftsetzer, der sich vermutlich der Wehrpflicht entziehen wollte, sowie K., ein in Eisfeld beschäftigter Werkzeugmacherlehrling, der sich nach Schwängerung eines 26jährigen Feriengastes der drohenden Unterhaltspflicht entziehen wollte, hatte bereits am 21.1. einen Durchbruchsersuch unternommen, wobei ihnen ein Fluchtversuch nicht nachgewiesen werden konnte.

Alle Absprachen fanden in der Gastwirtschaft Waffenruhe statt, bei Doppelkopf, Billard und beim Tanz. So wurde auch die zweite, gelungene Flucht abgesprochen, zu der noch ein vierter Mann gefunden wurde.

Die Staatssicherheit nahm an, dass der Rückkehrer vom amerikanischen Geheimdienst angestiftet wurde, weitere Jugendliche abzuwerben. Wegen dieses Verdachts wurden die drei Rückkehrer am 29.3.67 nicht in die UHA  Untermaßfeld eingeliefert, sondern in die Abt. IX der Bezirksverwaltung.

 

03.01.1969

Durch die DVP wurde gegen 14.30 Uhr die 22jährige B. Z aus Gnadau, Krs. Ilmenau, auf der Straße zwischen Stressenhausen und Bedheim in der Sperrzone beim Versuch, ungesetzlich die DDR zu verlassen, festgenommen. Er fuhr per Anhalter nach Schleusingen und dann mit der Bahn über Themar nach Hildburghausen. Von hier ging er durch den Wallrabser Grund in Richtung Stressenhausen. Von dort  ging er in Richtung Bedheim und wurde dabei durch einen VP-Angehörigen in dessen PKW mitgenommen.

Bei der Kontrolle wurde festgestellt, dass Z ohne Passierschein war. Durch den Aufenthalt bei seiner Mutter in Eisfeld und im Kinderheim Heldburg 1959/60 kannte er sich im

 

21.06.1973

 

 

Eröffnung der Grenzübergangsstelle (GÜST) Eisfeld-Rottenbach, zugleich Einrichtung eines Grenzinformationspunktes gemäß Zusatzprotokoll zum Grundlagenvertrag der beiden deutschen Staaten von 1972.

 

 

 

 

Dezember 1975

 

 

Tod an der Grenze - ca. 2000m südlich von Harras, wurden am 19. Dezember 1975, um 2.40 Uhr, der Gefreite Klaus-Peter Seidel und der Soldat Jürgen Lange,  Grenzposten in der 10.Grenzkompanie des 3. Grenzbataillons des Grenzregiments 9, im Rahmen der verstärkten Grenzsicherung, von dem DDR-weit gesuchten fahnenflüchtigen NVA-Angehörigen Werner Weinhold von hinten erschossen. Die umliegenden Gemeinden waren im totalen Ausnahmezustand. Überall suchten Grenzsoldaten und die Polizei den Flüchtigen. Bis nach Eisfeld erstreckte sich deren Suche. Weinhold flüchtete in die Bundesrepublik Deutschland. Erst nach einer bundesweiten Fahndung wurde er im März 1976 an der deutsch-niederländischen Grenze festgenommen und vor Gericht gestellt. Weinhold wurde vom Landgericht Essen am 2. Dezember 1976 frei gesprochen, weil sich die DDR weigerte, Unterlagen zu überstellen. Im Jahr 1978 wurde Werner Weinhold zu 5 ½ Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

 

 

 

06.08.1976

 

 

Zu Ehren der Werra-Bahn fährt letztmalig ein Personenzug von Coburg nach Tiefenlauter und zurück. Drei Tage später beginnt der Rückbau der Gleisanlagen von Görsdorf bis Coburg. Der Bundesgrenzschutz sprengt die meisten Brücken. Bei Tiefenlauter wird ein Gedenkstein aufgestellt.

 

 

07.03.1982

 

 

Bockstadt: Ca. 1.200 m südwestlich des Dorfes begeht ein 18-jähriger Unteroffizier der 12. Grenzkompanie Steudach Fahnenflucht.

 

 

 

19.01.1982

 

 

Bockstadt: Ca. 800 m südwestlich des Dorfes wird ein 15-jähriger Schüler aus Mahlitzsch, Kreis Meißen, festgenommen, nachdem, er den Signalzaun ausgelöst hatte.

 

 

1984

 

Abbau der Minen an der Grenze im Raum Eisfeld

 

 

09.11. 1989

 

 

5 Bürgerforen zu Umweltschutz, Wasserwirtschaft, Bauwesen, Handel und Versorgung, Volksbildung, Kultur, Jugend und Sport, Gesundheitswesen usw. mit 320 Teilnehmern. Während dieser Veranstaltungen verkündet in Berlin das Politbüromitglied Schabowski die Öffnung der Staatsgrenze zur BRD und in Berlin.

 

 

10.11.1989

 

 

00.00 Uhr: der „Eiserne Vorhang“ fällt

04.00 Uhr: Öffnung der Grenzübergangsstelle Eisfeld

über 800 DDR-Bürger passieren den Übergang. Nur 12 von ihnen geben an der Kontrollstelle Rottenbach an, in der BRD bleiben zu wollen  Hans-Joachim Holland, seine Ehefrau und Rainer Schmidt, alle aus Hildburghausen, gehören zu den ersten Passanten der Grenze, auf der bayerischen Seite u.a. empfangen von Ully Günther, damals Redakteur bei der „Neuen Presse“ in Coburg, später Redakteur beim „Freien Wort“.

 

 

10.-12.11.1989

 

 

Im Rathaus der Stadt Eisfeld werden vom 10.11. 18.00 Uhr bis 12.11. 17.30 Uhr ca. 20.000 Visa ausgestellt.

 

 

 

11.11.1989

 

 

Von Mitternacht bis 13.00 Uhr passieren 9.356 Fahrzeuge den Grenzübergang in Richtung Coburg

 

 

 

14.11.1989

 

 

Aufhebung der Sperrzone und des 500-m-Schutzstreifens entlang der bisherigen Staatsgrenze

 

 

 

     

 

 

 

 

Digitalisierte Objekte des

Eisfelder Museums

Museen

Museumsverband Thüringen
Museumsverband


Deutsche Stiftung Denkmalschutz



Freistaat Thüringen

 

Staatskanzlei

 


Thüringer Porzellanausstellung
im Museum Eisfeld
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Tasse Kloster Veilsdorf

 

 
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Objekt des Monats
 

 

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Hereinschauen lohnt sich!

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Eisfelder Persönlichkeiten
 

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