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Otto Ludwig

Als Sohn des städtischen Syndikus Ernst Friedrich Ludwig (1777 - 1825) und dessen Frau Sophie Christiane, geborene Otto (1790 - 1831) wird Otto Ludwig am 12. Februar 1813 in Eisfeld geboren.

 

                                                 

 

Schon seit frühester Kindheit ist Otto Ludwig kränklich und wird deshalb erst im 11. Lebensjahr in die Eisfelder Stadtschule eingeschult. Bis dahin verbringt er die meiste Zeit im Garten seines Vaters, einem idyllisch gelegenen Grundstück am Südhang der Stadt, genannt : Heinig (heute : Unterm Heinig). Ernst Ludwig ließ dort 1814 von einem Hildburghäuser Architekten ein Gartenhaus in spätklassizistischem Stil erbauen. "Die Schulen sind damals schlecht, ich bin kränklich. So komm` ich erst im 11. Jahre in die mit neuen Lehrern besetzte Stadtschule; bis dahin leb` ich meist in meines Vaters Garten und lerne da die Lust an der Einsamkeit und an der Natur. Lerne früh schon Schiller, Tieck und Shakespeare kennen, welcher letztere schon da mein Liebling." Ein besonders geliebter Lehrer, zugleich ein tüchtiger Musikus, weckte meinen Sinn für Musik. Nach dem großen Stadtbrand von 1822 erkrankt sein Vater und stirbt 1825.

 

Der Bruder der Mutter, der Kaufmann Christian Otto, wohnhaft in der Marktstraße, nimmt die verwaiste Familie bei sich auf. Der Onkel betreibt einen Kram- und Gewürzladen. 1827 wird Otto Ludwig Schüler am Gymnasium in Hildburghausen, wo er in die Tertia (4. u. 5. Klasse) eintritt. Bereits im zweiten Gymnasialjahr bricht er den Schulbesuch ab, vermutlich auf Grund der Erkrankung seiner Mutter. Er kehrt nach Eisfeld zurück und beginnt eine Kaufmannslehre im Geschäft seines Onkels. "Hier im Gewürzladen samml`ich meine erste Menschenkenntnis." In seiner Freizeit zieht es ihn, unabhängig von der Jahreszeit, in sein geliebtes Gartenhaus. Inspiriert von dessen Umgebung, der heimatlichen Natur mit all `ihren Tönen und Stimmungen, entstehen Gedichte, Balladen und Lieder. Unterbrochen wird diese schöpferische Periode Otto Ludwigs nach dem Tode der Mutter 1831 durch den Besuch des Lyceums in Saalfeld 1832/1833. "Nach meiner Mutter Tod hat mein Opfer keinen Zweck mehr. Der Trieb nach Ungebundenheit, der Drang der Neigung zur Kunst wird immer stärker. Der Kram widert mich an; ich mache mir und meinem Onkel das Leben sauer. Verliere den Glauben an meine poetische Begabung. Lerne Göthe (Goethe) kennen."

 

1833 kehrt Otto Ludwig wieder nach Eisfeld zurück und arbeitet 1839 nochmals im Geschäft des Onkels. In dieser Zeit wendet er sich der Musik zu. Es entstehen Singspiele und Opern. Im Winter 1837 gründet er im Schützenhofsaale zu Eisfeld ein Liebhaber-Theater mit einem ansehnlichen Orchester, dessen Mitwirkende Schulkameraden und Bürger der Stadt Eisfeld sind, die Freude an der Musik und Schauspielerei haben. Für ein Liebhabertheater, dessen Mitglieder meist Kameraden aus der Stadtschule sind, "... componier` ich die Musik zu einigen Stücken, schreib` ihnen auch ein 3aktiges mit Ouverture, Entreakts, Melodram und Chören und bin Dramaturg und Musikdirektor zugleich. Nun fang`ich an, Opern zu dichten und zu componiren ohne Unterricht in der Composition gehabt zu haben; leitungslos - eine Danaidenarbeit. Ich verwende ganze Nächte dazu, weil ich am Tage wieder den Kramladen mit versehe." Eines der ersten musikalischen Werke Otto Ludwigs aus dieser Zeit, die Komische Oper „Die Köhlerin“ findet die Anerkennung des Meininger Hofkapellmeisters Grund, der bei Herzog Bernhard Friedrich Erich Freund die Gewährung eines Stipendiums für Ludwig erwirkt, mit dem er in Leipzig bei Mendelssohn-Bartholdy ein Musikstudium aufnehmen kann. Zuversichtlich reist Ludwig nach Leipzig, kommt jedoch krank dort an. "Mendelssohn nimmt mich freundlich auf, aber bald ergreift mich Muthlosigkeit, Menschenscheue, Vorboten einer schleichenden Nervenkrankheit. Ich kann keine Musik mehr hören."

 

 

"Habe zur Schriftstellerei greifen müssen ohne rechten Glauben an meinen Beruf".  Otto Ludwig kehrt 1840 nach Eisfeld zurück. Sein letzter Aufenthalt in der Heimat ist geprägt von der schweren Erkrankung seines Onkels und von unerträglichen familiären Verhältnissen. Deshalb zieht er es vor, sich in unmittelbarer Nähe ein „Stübchen“ zu mieten. Dort beschäftigt er sich mit dem Agnes-Bernauer-Stoff und schreibt Novellen, wie beispielsweise „Die Emanzipation der Domestiken“. Diese Werke seines Jugendschaffens sind Entwicklungsstufen auf dem Wege zum „poetischen Realismus“. Durch Weiterzahlung seines Stipendiums bis Ostern 1843 wird ihm der Übergang vom Musik- zum Literaturstudium in Leipzig ermöglicht . Im Sommer 1844 siedelt Otto Ludwig, mit der Absicht, endlich etwas Bleibendes zu haben, in die ungestörte Einsamkeit des wildromantischen Triebischtales bei Meißen in die Schleifmühle bei Niedergarsebach über. Dort begegnet er Emilie Winkler, seiner späteren Gattin. Otto Ludwig bricht mit der Romantik und wendet sich dem Realismus zu, „der vom Menschen die Wahrhaftigkeit und vom Künstler die unverfälschte Wirklichkeit verlangt“. (Angabe zum Auszug siehe Text).

 

Neben vereinzelten Novellen-Versuchen entstehen in der ersten Hälfte der vierziger Jahre jene Jugenderzählungen, die trotz mancher Einzelheiten in Stil und Motiven bereits den späteren Realisten ahnen lassen, überwiegend aber noch in den Bahnen der Romantik wandeln und den Einfluß Tiecks und E.T.A. Hoffmanns zeigen. Otto Ludwig lernt den Dresdner Regisseur und Schauspieler Eduard Devrient kennen und findet in ihm einen künstlerischen Berater und Freund, der sich für ihn in Dresden anerkennend ausspricht. "Von Meißen aus, wohin mich die alte Lust der Vereinsamung getrieben, send`ich an Eduard Devrient 1845 eine dramatische Arbeit. Er nimmt sich meiner liebevoll an; Briefwechsel; sein Rath fördert mich; seine Aufmunterung lehrt mich wieder an meine Begabung zu glauben; besonders seine Geschichte der deutschen Schauspielkunst regt mich an. Zugleich werd`ich durch körperliche Abhärtung und Willenfestigkeit meiner Nervenkrankheit Herr."  Von 1847 bis 1849 schreibt er, noch wohnhaft in Meißen, an seinem Trauerspiel „Der Erbförster“. Unter Beratung des erfahrenen Bühnenpraktikers Devrient gelingt Otto Ludwig damit ein erster entscheidender Erfolg. Am 4. März 1850 findet die Uraufführung des Dramas „Der Erbförster“ an der Dresdner Hofbühne statt.

 

Ihr folgen weitere Aufführungen am 4., 7. und 20. März. Seit 1849 wohnt Otto Ludwig endgültig in Dresden. Der erste Eindruck war ein merkwürdiger. "Diese Totenstille; die ersten Aufzüge enthusiastisch applaudiert,bei den letzten eine förmliche Angst; sonst der Lärm der Aufstehenden schon, wenn das Zeichen zum Fallen des Vorhangs gegeben, diesmal noch nach dem Fallen zwei, drei Minuten, wo man jeden einzelnen Atemzug hören konnte. Es war als hätten sie vergessen, daß Komödie gewesen und die nun aus. Die Schauspieler übertrafen sich selbst, besonders Devrient, mein erster Verbündeter." 1852 heiratet er Emilie Winkler. Seine Ehe, aus der drei Kinder, Juda (1852), Ernst Reinhold Otto (1854), Cordelia (1858), hervorgehen, ist trotz Krankheit und Entbehrungen sehr harmonisch. In einem Brief schreibt er: “Tausend Grüße von meiner Frau, die an Seelengüte und häuslichen Tugenden fortwährend wächst, und mir trotz Sorgen und körperlichen Schmerzen das Wort ermöglicht, daß ich nicht glaube, es könnte jemand glücklicher sein als ich.“ Die drückende Geldnot der jungen Ludwigschen Familie bestärkt den Dichter in der Idee, Erzählungen zu schreiben. Angeregt und gefördert durch den Schriftsteller Bertholt Auerbach (1812 - 1882), erscheint 1854/55 die Novelle „Die Heiteretei“. Mit Humor und vortrefflicher Charakterisierungskunst schildert Otto Ludwig Personen und Milieu einer kleinen südthüringisch-fränkischen Stadt in ihren spiessbürgerlichen Verhältnissen.

 

In einem Brief heißt es: „Dieses Frühjahr habe ich eine Novelle geschrieben, die “Heiteretei“. Der Name wird Dir bekannt vorkommen. In oder um Eisfeld hat`s einmal eine Person gegeben, vom Volksmund so getauft. Ich habe von dieser nur den Namen, welche so bezeichnend, und die Anektode von dem eisenbeladenen Schiebekarren, die sich im Sensenhammer bei Coburg zugetragen haben soll, adoptiert.“  Angeregt von dem unerwarteten Erfolg der „Heiteretei“ schreibt Otto Ludwig an einer zweiten Erzählung, die 1856 erscheint: „Zwischen Himmel und Erde“ - die Geschichte einer Schieferdeckerfamilie.Das Buch findet schnell weite Verbreitung, sogar über Deutschland hinaus in mehrsprachigen Übersetzungen. Die Erzählungen sind die letzten vollendeten Werke des Dichters. Den Novellen „Die Heiteretei“, “Aus dem Regen in die Traufe“ und „Zwischen Himmel und Erde“ verdankt er seinen literarischen Ruhm und seinen Namen als realistischer Erzähler des 19. Jahrhunderts. Mit dem Drama „Erbförster und der Tragödie „Die Makkabäer“ (1853) erlangt er den Ruf als bedeutender Dramatiker unter seinen Zeitgenossen. Otto Ludwig stirbt nach langer Krankheit am 25. Februar 1865 in Desden. Das Grab der Familie befindet sich auf dem Trinitatisfriedhof in Dresden.

 

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