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Geschichte

Hans und Renate Gauß, Jahrbuch des Hennebergisch-Fränkischen Geschichtsvereins, Kloster Veßra 1997, Seite 171 ff:

 

Im Jahr 1909 wurde in der kleinen südthüringischen Stadt Eisfeld mit Blick auf den 100. Geburtstag des Dichters Otto Ludwig, der hier geboren und aufgewachsen war, ein Gedenkzimmer im Rathaus eingerichtet, das als Vorläufer des heutigen Museum der Stadt angesehen werden darf. Initiator dieser Gründung war Kommerzienrat David Löwenherz aus Coburg, der mit großem Eifer und Sachverstand die ersten Exponate zusammengetragen und die Einrichtung besorgt hatte. Gesammelt wurden Möbel und Memorialen aus dem Besitz der Dichterfamilie oder aus Familien, die mit Otto Ludwig befreundet waren. In die Kosten teilten sich Magistrat und Löwenherz, der den größten Teil übernommen hatte. In einem Schreiben an den Magistrat äußerte David Löwenherz die Erwartungen, das sich aus dem Gedenkraum ein kleines Ortsmuseum entwickeln möge, 2welches alles das sammelt, was für die Stadt und Umgebung von kulturhistorischem Wert ist und ein Bild davon gibt, was Kunst und Handwerk in früherer zeit hier geschaffen haben.“ Die Euphorie des wohlgelungenen Dichterjubiläums vom Februar 1913 dürfte dazu beigetragen haben, das der Stadtrat auf Antrag des Magistrats der Stadt Eisfeld am 16. April 1915 den Beschluss faste, ein Stadtmuseum (Kunstsammelstätte) einzurichten.

 

Der Magistrat erlies umgehend einen Aufruf an die Bürger, für ein einzurichtendes Kunst- und Gewerbemuseum „ Zeugnisse hiesiger Industrie und einheimischer Gewerbe“ zu sammeln und zu stiften. Als Vorbild schwebte Eisfelder Stadtvätern offensichtlich das Sonneberger „ Industrie und Gewerbemuseum des Meiniger Oberlandes" vor, das einige Jahre Zuvor, am 7.10.1901, durch den Berufsschullehrer Paul Kuntze gegründet worden war. Allerdings wird es heute befremden, das unter dem Etikett der Kunst- und Gewerbesammlung vordergründig auf Erinnerungsstücke an das Große ( Kriegs-) Jahr 1914 wertgelegt wurde. Bei der zuständigen Behörde, dem preußischen Kriegsministerium in Berlin, fand man jedoch mit der Bitte um Überlassung von Beutestücken kein Gehör. Sehr aufschlussreich ist die Aufstellung dessen, was alles neben Erinnerungsstücken an die Kriegsereignisse gesammelt werden sollte. Außer „ Wertvollen alten“ Urkunden und Zeugnissen der örtlichen Gewerbe, besonderes Augenmerk wurde dabei der Spielzeugindustrie geschenkt, finden wir auf der Wunschliste auch Porzellane aus der einheimischen Porzellanindustrie. Leider geben die Quellen nur wenig Auskunft über die Resonanz auf diesen Aufruf, zumal der 1. Weltkrieg mit seinen wachsenden Lasten und Nöten die musealen Ambitionen der Stadtväter sehr rasch beendeten und diese 1917 sogar veranlasste, das Otto-Ludwig-Gedenkzimmer vom Rathaus in das Kinderheim umzusetzen, wo es nunmehr für einige zeit ein kümmerliches Dasein fristete.

 

Otto.Ludwig.Zimmer.Rathaus.Eisfeld um 1920

 

Wir wissen, das einige Porzellanfabriken Zeugnisse ihrer damaligen Produktion dem Eisfelder Magistrat übergeben haben ( so die Porzellanfabrik Kister in Scheibe-Alsbach und die Porzellanfabrik Limbach). Auch konnten einige Erzeugnisse der Eisfelder Spielwarenproduktion erworben werden; so hatte der Eisfelder Puppenfabrikant Eduard Seifert bereits mit Schreiben vom 29. Juli 1915 die Übergabe von Mustern aus der Puppenfertigung seines Betriebes angezeigt. Noch 1926 waren diese Puppen und Porzellane einheimischer Herstellung, nach dem Urteil eines Zeitgenossen „ Figuren von wiederwärtiger Hässlichkeit“ und „Puppenflitterkram“ , im Besitz der Stadt Eisfeld. Hingegen mussten während des Krieges Metallgegenstände, z.B. Zinngeschirr, als Kriegsspende zur Verwertung für militärische Zwecke abgegeben werden. ( Beeindruckend ist in diesem Zusammenhang das Verhalten des Magistrates gegenüber der Anweisung der Kriegsbehörde, die Otto-Ludwig-Büste vom Denkmal auf dem Schlossplatz abzuliefern. Der Magistrat kam der Aufforderung trotz mehrfacher Mahnungen so zögerlich nach, das die Büste erst im November 1918 in der Sammelstelle eintraf und nicht mehr eingeschmolzen wurde. Die nachfolgenden Jahre bescherten der Stadt mit Inflation und Weltwirtschaftskriese ernste wirtschaftliche und soziale Probleme, die zum allerwenigsten an die Einrichtung eines Museums denken ließen. Sicher hat auch das Fehlen einer Gruppe heimatlich aktiver Bürger oder gar eines Museumsvereins dazu geführt, das der 19197/20 nochmals unternommene Versuch von Stadtvorstand undStadtrat zur Gründung eines Stadtmuseums, dem das Otto-Ludwig-Zimmer angegliedert werden sollte, zunächst scheitern musste. Die vorgesehene Nutzung zweierRäume in der Alten Schule für Museumszwecke, die zunächst gegen den Widerstand des dort wohnenden Polizeiwachmeisters krapp beschlossen worden war, musste zugunsten einer Weiterverwendung als Wohnraum zurückgestellt werde.

 

Um so beachtlicher sind die Anstrengungen, die in Eisfeld seit 1926 für die Pflege des Ludwigischen Dichtererbes unternommen wurden und die zur Einrichtung einer Dichtergedenkstätte und zur Neugestaltung des Otto-Ludwig-Gartens führten. Gleichzeitig bemühte sich nahezu im stillen der Eisfelder Architekt Fritz Zang, Sammlungsgut für ein ortskundliches Museum zusammenzutragen. In einem Beitrag in der Lokalpresse rief er 1934 die Bevölkerung dazu auf, alte Zeugnisse der Stadtgeschichte zu sammeln und für das Museum bereitzustelle. Er betonte dabei besonders den Rettungsgedanken, der vielerorts zur Entscheidung von Museen geführt hatte, und regte die Suche auf Dachböden und in Scheunen nach Sachzeugen der Eisfelder Geschichte an. Besonderen Wert legte der Eisfelder Museumsgründer auf Dokument zur Geschichte der einst bedeutenden Eisfelder Handwerkszweige Gerberei und Tuchmacherei 8 Urkunden und alte Schriften, Innungszeichen u.a.), ferner auf Keramik, Porzellan, Möbelstücke, Beleuchtungsgegenstände usw. Sein aufrufendete mit der Forderung:“  Alle diese Gegenstände müssen für unser Volkstum einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.“ Die Unterlagen der Stadtverwaltung aus den Jahr 1934 zum Vorgang „ Einrichtung eines Heimatmuseums“ bezeugen, das es durch ihre zögerliche Haltung Probleme in der Bereitstellung geeigneter Räumlichkeiten gab. Fritz Zang versuchte, nachdem eine Unterbringung indem von der NSDAP als“ Parteiheim“ genutzten Gebäuden neben dem Rathaus gescheitert war, über die thüringische Landesstelle für Denkmahlpflege und Heimatschutz in Weimar die Bereitschaft der im Eisfelder Schloss untergebrachten Landesbehörde zu erwirken, dem künftigen Museum einige Räume zu überlassen, jedoch erfolglos.

 

Mit Schreiben vom 1. August 1934 an die Stadtverwaltung Eisfeld beantragte Fritz Zang, die in der Alten Schule, einem historischen Schulgebäude von1575 und 1653, freigewordene Wohnung für das Heimatmuseum nutzen zu dürfen. Die Stadtverwaltung stellte daraufhin in dem historischen Gebäude drei kleine Räume mit einer Grundfläche von 88 qm für den Aufbau des Museums zur Verfügung. Über die lokale Presse konnte nunmehr Fritz Zang der Bevölkerung das Vorhabenvorstellen und wiederum um die Bereitstellung historischer Sachzeugen und Schriften zur Ortsgeschichte bitten. In den Klassen der Eisfelder Schulen wurden eine Werbeaktion gestartet, um historische Sachzeugen für das Museum zu erhalten. Eine geplante Begehung aller Häuser konnte allerdings nicht durchgeführt werden. Immerhin ging eine Reihe von Schenkungen ein. Eine 1934 angelegte Inventarliste, die in mehreren Exemplaren erhalten ist, bezeugt die ersten Ergebnisse der Sammeltätigkeit. Sie zählt 143 Positionen auf, darunter eine Reihe von Objekten, die die Wirrender Kriegs- und Nachkriegszeit überstanden haben und noch heute zum Sammlungsbestand des Museums „ Otto Ludwig“ gehören. So konnte von der Eisfelder Schützengesellschaft eine Kollektion historischer Schützenschreiben aus dem 19. Jh. Übernommen werden. Auch eine eiserne Handprothese aus dem 16 Jh. Gehörte dem Erstbestand der Sammlung an.

 

Erhalten ist auch das Zangsche Museumskonzept, das naturgeschichtliche und historische Sammlungen und Ausstellungen vorsah und durchaus den damaligen Vorstellungen eines Heimatmuseums entsprach. Im Falle einer räumlichen Erweiterung hatte Zang die Einbezeihung einer Märbelmühle und einer Gerberei in die stadtgeschichtliche Ausstellung vorgesehen, ein Vorhaben, das unter den damaligen Bedingungen nicht zu verwirklichen war. In seinen inhaltlichen Auffassungen war das kleine Museum nicht frei von den damals in Deutschland herrschenden „ völkischen“ Auffassungen von Geschichte und Kulturgeschichte. Der Weg zur Fertigstellung und Eröffnung des Museums war angesichts knapper Finanzen recht mühevoll und quälend. Die Stadtverwaltung stellte die Räume zur Verfügung und verzichtete auf Mieteinnahmen, doch mehr konnte und wollte sie mir Hinweis auf die „ trostlose Finanzlage“ nicht leisten. Der infolge der schlechten Wirtschaftslage der Kommune als Kreisbeauftragter eingesetzter Gerichtsassessor Wächter mühte sich nach besten Kräften, Fritz Zang beim Aufbau des Museums zu unterstützen. Die von ihm beim thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Heimatschutz in Weimar und beim Landrat des Landkreises Hildburghausen für die Herrichtung der Innenräume und die Beschaffung von Vitrinen und Rahmen 1934, 1935 und 1936 beantragte Mittel in Höhe von jeweils 300,00 RM wurden nur zu einem geringen Teil bewilligt.

 

1935 ging die Stadt daran, die Außenfront der Alten Schule zu sanieren. Dabei wurde das schöne Fachwerk des Obergeschosses freigelegt. Die Arbeiten wurden von Eisfelder Malermeistern bis auf die Erstattung der Materialkosten unentgeltlich vorgenommen. Über den Fortgang der Museumseinrichtung informierte man regelmäßig Landeskonservator Dr. Mundt in Weimar. Aus den Quellen ist leider der Zeitpunkt der Fertigstellung und der Termin der Eröffnung nicht überliefert; nach einer Aktennotiz vom März 1935 drängte der Kreisbeauftragte Wächter den Leiter des Museums, dieses bald eröffnen. Über die Gestaltung der Ausstellung wissen wir kaum etwas; angesichts des knappen Geldes dürfte sie sehr bescheiden gewesen sein. Zur Ausstellung gehörten ein großer und ein kleiner Schaukasten und fünf Tische, mit braunem Tuch bezogen. Ein Großteil der Exponate war frei aufgestellt. Text und Grafiken stammen von der Hand des ehrenamtlichen Museumsleiters. Bereits bei Kriegsausbruch 1939 wurde die Einrichtung geschlossen, ohne dass wir etwas über ihre Öffentlichkeitsarbeit während ihrer kurzen Existenz erfahren konnten. Bereits ein Jahr später erging vom Museumspfleger des Landes Thüringen Dr. Walter Scheidig, Doktor der Staatlichen Kunstsammlung zu Weimar, die Aufforderung, Gegenstände ausBuntmetall zu benennen, die für eine Verwertung zu kriegswichtigen Zwecken in Frage kämen.

 

Die von Fritz Zang in Eisfeld erarbeitete Zusammenstellung derartiger Objekte fiel so bescheiden au, das man von deren Ablieferung Abstand nahm. Es gelang sogar mit Hilfe des Landeskonservators, die drohende Ablieferung der Otto-Ludwig-Büste auf dem Vorplatz des Schlosses und des Denkmals des jungen Dichters aus dem Otto-Ludwig-Garten im Rahmen der sogenannten „ Hermann- Göring-Spende“ zu vereiteln. Während des Krieges wurden die Bestände des Heimatmuseums ausgelagert, teilweise in die Turnhalle und in Dachräume der Schule völlig unzugänglich und kaum gesichert untergebracht. So ist es nicht verwunderlich, das in den Apriltagen des Jahres 1945 nach dem Einmarsch der Amerikaner und in den Monaten danach Verluste eingetreten sind. Eine Auflistung der verlorengegangenen Sammlungsstücke ist leider nie angefertigt worden. Aussagen über ihren Umfang wurden nur pauschal und sehr unterschiedlich gemacht, je nach den Absichten des Berichterstatters. Über den Zustand der Eisfelder Museen erfahren wir im Januar 1946 aus einer Notiz von Fritz Zang, dass die Bestände des Otto-Ludwig-Museums ungeordnet aufgelöst seien und das niemand zuständig sei, da Karl Kley als aktives Mitglied der NSDAP- verhaftet sei. Die Sammlung des Heimatmuseum seien in der Neuen Schule unsachgemäß gelagert, nachdem die Räume des Museum für Wohnungszwecke freigemacht werden mussten. Anlass war eine Bitte des Landessenders Weimar um einen Bericht über beide Sammlungen, der für eine Kultursendung Verwendung finden sollte. In einem Schreiben des thüringischen Landesamt für Volksbildung vom 7.5.1946, betr. Museen in Thüringen, erging an die Stadt Eisfeld wie an alle anderen Museumsträger in Thüringen die Aufforderung, Auskunft über den Stand der Museumsarbeit zu erteilen. Es wurde auf Grundlage einer Richtlinie zur Eröffnung von Museen in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands angewiesen, der Museumspflegerin des Landes Thüringen, Frau Dr. Hofmann-Stirnemann, Direktorin des Schlossmuseums Rudolstadt, Kenntnis von der bereits erfolgten bzw. geplanten Wiedereröffnung von Museen zu geben. Dieser Meldung seien das Statut der Einrichtung sowie der Plan und die Thematik der Ausstellung beizufügen, ebenfalls Vorschläge für die Besetzung des Leiterpostens und dessen wissenschaftlichen Stellvertreters. Nach Begutachtung durch die Museumspflegerin werde durch das Landesamt bei der örtlichen SMA ( Sowjetischen Militäradministration) die Eröffnung des Museums beantragt.

 

Eisfelder Museum 1949.1 ehemaliger Ausstellungsraum 1950 ehemaliger Ausstellungsraum 1950.3
Saaleinbau Schloss 1952-1953 ehemaliger Ausstellungsraum Ausgrabung Harras 1955 ehemaliger Ausstellungsraum Holzstabweberei 1989
ehemaliger Ausstellungsraum Märbelmühle 1989   ehemaliger Ausstellungsraum Porzellan Veilsdorf 2013

 

 

Digitalisierte Objekte des

Eisfelder Museums

Museen

Museumsverband Thüringen
Museumsverband


Deutsche Stiftung Denkmalschutz



Freistaat Thüringen

 

Staatskanzlei

 


Thüringer Porzellanausstellung
im Museum Eisfeld
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Tasse Kloster Veilsdorf

 

 
Besucher: 
4110
Objekt des Monats
 

 

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Hereinschauen lohnt sich!

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Eisfelder Persönlichkeiten
 

www.museum-eisfeld.de/seite/325944/eisfelder-personen.html